Jantje Röller

Aus dem Flaschenberg ragt eine lange Stange heraus, oben auf ihrer Spitze ist ein transparenter Globus, im Wind tänzeln, angetrieben von kleinen Sonnensegeln, glitzernde Schnüre. Aus diesem Mülltempel erklingt Joseph Haydns „Schöpfung“. In Liegestühlen rund um den Klangmülltempelberg können Besucher aus Audioguides einen Soundloop hören, in dem die Unfassbarkeit der Schöpfung imaginativ verdichtet ist. Mit Texten von Ratzinger, Kant, Heidegger, Kleist und Celan sowie aus der Bibel, gesprochen von Traute Hoess und Axel Werner.

Worte, Musik und eigene Gedanken der Besucher mischen sich mit Eindrücken aus dem Müllberg: Aus Überresten einer Gesellschaft, die immer wieder neues Material verlangt, ist eine Industrie des Abfalls entstanden. Aus der Idee, Müll zu reduzieren, um die Schöpfung zu bewahren, ist eine neue Industrie geworden. Nicht nur Kinder aus Favelas leben von dem, was sie in Müllbergen an Verwertbarem finden, Obdachlose sammeln geradezu „professionell  Pfandflaschen und organisieren eigene Eintauschstationen. Die Auswertung von nicht mehr Gebrauchtem ist tatsächlich auch zum lifestyle besser Situierter geworden. Der Vertrieb abgelegter Ware auf hübsch gestalteten Seiten eines Internetauktionshauses ist so selbstverständlich wie die börsenträchtige Vermarktung von Müllrechten: Wiederverwertung von abgelegter Materie ist ein ökonomischer Faktor der Konsumgesellschaft und heizt immer neu den Konsum - und damit die Verschwendung von Ressourcen - an. Auch der Versuch, den Schaden des eigenen Tuns zu begrenzen, ufert aus. Dabei wäre doch gut, erst mal neu zu begreifen, dass die Schöpfung eigentlich unbegreiflich ist. Dazu müsste man versuchen, im das hektische Getriebe der Schadensbegrenzungen, des immer noch mehr - und sei es Müll - Konsumierens eine Ruhezone zu schaffen. Einen Raum, um neu zu denken und die Unbegreiflichkeit der Schöpfung ästhetisch zu erfahren.

byot

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Jantje Röller, Konzept, Regie, Produktion:
1969 in Wilhelmshaven geboren, Studium der Philosophie, Literaturwissenschaften und Kulturwissenschaften in Konstanz, Hamburg, Baltimore, MD, New York, NY, Frankfurt/Oder. Promotion 2001. Seit 1988 Regieassistentin und Dramaturgin, Zusammenarbeit mit Regisseuren wie u.a. am Berliner Ensemble Peter Zadek, Frank Castorf, Armin Petras. Seit 1990 Projekte in Hamburg, Mannheim, Berlin und New York, u.a. in Berlin: Berlin, staatsbank, Machtraum, New York: Tribecca Lab, Cardorzo Law School und Deutsches Haus, Rumänien: Muzeul Brukenthal, Sibiu. Stipendien: u.a. Altenhein Fellowship New York, , Hypokulturstiftung, DFG, Goethe Institut, Robert Bosch Stiftung.

Steffo Jennerich, Raum, Licht
1960 geboren in Bingen. Ausbildung als Elektroniker, Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften in Berlin, dabei Tätigkeit als Beleuchter an der Schaubühne am Lehniner Platz. Seit 1991 Engagements als Bühnenbildner, Lightdesigner (Kunstfest Weimar), und Technischer Leiter. Ausstattungen u.a. in Berlin: Volksbühne, Die Distel, staatsbank, Renaissance Theater; Theater Dortmund, Kleisttheater Frankfurt/Oder, Stralsund, Greifswald, Deutsches Haus New York, Muzeul Brukenthal, Sibiu, mit Regisseuren wie Manfred Wekwerth, Joachim Schlömer, Vera Oelschlegel, Robert Montoto, Peter Ensikat, Lukas-B. Suter, Frank Lüdeke, Martin Maier Bode, Ulrike Jackwerth.

Holger Schwark, Ton
geboren 1969 in Münster. Als Kirchenmusiker ausgebildeter Pianist und Organist, Tonmeisterstudium in Berlin ist Produktionsleiter und Sounddesigner zahlreicher Musik- und Kunstproduktionen, u.a. beim Kulturprogramm der EXPO 2000. Er betreut regelmäßig Produktionen der Berliner Philharmoniker und der Ruhrtriennale, z.B. Bill Violas Installation „Five Angels for the Millenium“, „Soldaten“ und „Moses und Aron“. Holger Schwark unterrichtet zudem an der Filmhochschule Babelsberg.

Traute Hoess, Sprecherin
in Weilheim/Oberbayern geboren, absolvierte ihre schauspielerische Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Neben ihren Engagements am Theater Basel, dem Berliner Ensemble, dem Wiener Burgtheater und dem Bochumer Schauspielhaus wirkt die mit dem Nestroy Preis ausgezeichnete Schauspielerin in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen wie in Rainer Werner Fassbinders Film »Lili Marleen« und »Berlin Alexanderplatz« mit.

Axel Werner, Sprecher
erhielt 1974 den Diplom an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und ist langjähriges Mitglied des Berliner Ensemble. Er ist zudem bekannt durch Film- und Fernsehauftritte, u.a. in Filmen von Tom Tykwer und zahlreichen ARD-Tatorten. Axel Werner prägt die Installationen von Jantje Röller seit 1995 mit seiner signifikanten Stimme.

Jennifer Mira Ackermann, Foto
1986 geboren in Heidelberg, 2006 Abitur in Hamburg, bis 2006 Mitglied der Jungen Presse Hamburg in der Fotoredaktion „Freihafen“, 2003 Fotopraktikum bei Tom Seelbach, 2005-2006, Assistenz bei Jörg-Martin Schulze (Konzertfotografie), Foto-Studienaufenthalte in Neuseeland, Ecuador, Peru und Irland. Zurzeit studiert sie in Berlin, Film und Literatur, besucht Fotokurse an der UDK und fotografiert z.B. Machtraum.

Musik

deep strings
G-Strings
Rolf Zielke

© 2010